Eine der herausragendsten Eigenschaften des Erfolgs ist seine Vergänglichkeit. Musikbands kennen sich damit nur all zu gut aus. Wenn eine Gruppe nach großen Charthits erst einmal eine Zeitlang nicht mehr präsent ist, wird die breite Masse vergesslich. Zurück bleiben nur die wahren Fans, die die Erinnerung hoch halten und auf ein neues Lebenszeichen ihrer Lieblinge warten. Um so euphorischer reagiert diese Meute dann, wenn sich totgeglaubte Musikgruppen tatsächlich zurückmelden. Dieses Jahr kam es bereits auffallend oft vor, dass eine Erfolgsband von früher ihr Comeback bekannt gab. Ich will an dieser Stelle ein paar herausragende Beispiele ansprechen:
Juli – Die Deutschrock-Band gab vor wenigen Tagen bekannt, dass ihr drittes Studioalbum „In Love“ Ende September auf den Markt kommt, die Single „Elektrisches Gefühl“ bereits etwas früher. Es wird das erste Juli-Album seit vier Jahren sein. In der Zwischenzeit war das Quintett um Frontfrau Eva Briegel, die 2004 noch auf der „Perfekten Welle“ die Charts hochsurfte, ziemlich von der Bildfläche verschwunden. Die einzigen Lebenszeichen waren eine Coverversion des Fanta-4-Klassikers „Raus“ als Beitrag zum Tribute-Sampler über die Rap-Heroen, sowie die Nachricht der Schwangerschaft von Sängerin Briegel. Man darf gespannt sein, ob sich soundtechnisch etwas bei den einstigen Chartstürmern getan hat.
Bush – 1994 erschien das Debütalbum der Alternative-Rocker aus England. Auf der Höhe des Grunge-Hypes wurde „Sixteen Stone“ ein europaweiter Hit, und mit dem Nachfolger „Razorblade Suitcase“ und der Hitsingle „Swallowed“ konnte das Quartett um den Adonis-Frontmann Gavin Rossdale sogar in den USA Erfolge feiern. Doch Anfang des neuen Jahrtausends kam das scheinbare Aus für Bush. Die Plattenverkäufe waren rückläufig, die Band war des Tourens müde und auch zwischenmenschlich stimmte wohl so einiges nicht mehr. Rossdale heiratete Popdiva Gwen Stefani und wurde Solokünstler (wenn auch sein erstes Album „Wanderlust“ arg enttäuschend geriet). Doch jetzt kommt die überraschende und nicht mehr für möglich gehaltene Nachricht: Bush sind wieder da. Voraussichtlich im Oktober wird „Everything Always Now“ erscheinen, das insgesamt fünfte Studioalbum der 90er-Ikonen. Hoffentlich geht es da wieder etwas deftiger zur Sache als auf Rossdales Soloalbum. So in Richtung des Debütalbums, das wäre doch was.
Soundgarden – Noch eine Legende aus den 1990ern, die zurückkehrt. Bereits Anfang des Jahres wurde die Bandhomepage reaktiviert, und es prangte dort die Nachricht: „Knights of the Soundtable ride again!“. 1997 hatte sich die Grungeband getrennt, auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs. Wir erinnern uns: „Superunknown“, 1994, das psychedelische Video zum Klassiker „Black Hole Sun“ … Chris Cornell legte danach einen ebenso eindrucksvollen wie erschreckenden Abstieg hin, der in einem kläglichen, von Timbaland glattproduzierten Soloalbum namens „Scream“ endete. Je mehr sich Cornell solo und auch mit Audioslave blamierte, um so strahlender war sein musikalisches Vermächtnis mit Soundgarden aus den 90ern. Um so schöner ist es, dass wir diese unvergänglichen Klassiker nun wieder live dargeboten bekommen. Von einem neuen Studioalbum war bislang noch nicht die Rede, aber immerhin erscheint demnächst ein Best-Of-Album mit einigen unveröffentlichten Tracks.
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