Ungefähr einmal pro Halbjahr schwappt über den Musikkonsumenten – zumindest den, der Radio und Musikfernsehen als Bezugsquellen benutzt – eine Welle neuer Popstars herein. Da kommen dann die Castingshow-Sieger aus diesem oder jenem Land, da kommt die neueste Popsensation aus Schweden oder Israel, und da kommt natürlich die ein oder andere Nachwuchs-Rockband plötzlich groß raus. Die allermeisten dieser Neulinge verschwinden nach wenigen Monaten wieder aus dem kollektiven Gedächtnis, und nur die guten überleben.
Und von denen, die überlebt haben, gibt es einige, die schon wirklich lange dabei sind und immer noch regelmäßig neue Alben veröffentlichen. Das ist dann die Kategorie „Alte Helden“. Sie müssen nicht mehr unbedingt die Charts stürmen, denn sie haben eine treue, über Jahre gewachsene Fanbasis, die begierig auf neue Alben wartet. Um diese spezielle Kategorie soll es heute gehen, denn in den nächsten Monaten stehen gleich mehrere neue Veröffentlichungen von alten Helden an. Hier exemplarisch ein paar, auf die ich mich persönlich am meisten freue.
Manic Street Preachers: Die vielleicht wichtigste britische Rockband der 90er ist auch dieses Jahr aktiv. Am 13. September erscheint „Postcards From a Young Man“, das zehnte Studioalbum des walisischen Trios, das in deutschen Landen immer sträflich vernachlässigt wurde. Der letzte Streich der Manics, „Journal For Plague Lovers“, liegt gerade einmal 15 Monate zurück, doch erste Ankündigungen von Seiten der Band lassen erwarten, dass die neue Scheibe ganz anders wird als jenes kratzbürstige Alternative-Rock-Meisterwerk. Bassist Nicky Wire sprach von „One last shot at mass communication“ – es wird also eine poppige Angelegenheit. Doch dieses Gewand stand den Manics schon immer gut zu Gesicht. Ich denke da an unvergängliche Klassiker wie „Motorcycle Emptiness“, „A Design For Life“ oder „If you tolerate this, your children will be next“. Wer die Manic Street Preachers noch nicht kennt, hat bis zum 13. September noch Zeit, diese eklatante Lücke zu schließen. Wie gesagt, eine der besten Bands der letzten 20 Jahre.
Bad Religion: Die Urgesteine des Punkrock stehen seit unglaublichen 30 Jahren auf der Bühne, wenn auch mit kurzen Unterbrechungen. Um dieses für eine Punkband erstaunliche Jubiläum zu ehren, bringen Greg Graffin, Brett Gurewitz und Co. am 28. September ihr 15. Studioalbum heraus, „The Dissent of Man“. Erste Höreindrücke lassen schon vermuten, dass sich wenig verändert hat, was den Sound angeht. Aber das ist in diesem Falle gut so. Denn was melodischen High-Speed-Punkrock mit eingängigen Melodien und nachdenklichen Textzeilen betrifft, macht Bad Religion immer noch keiner etwas vor. Und wenn die Qualität des Vorgängers „New Maps of Hell“ gehalten wird, steht den Fans ein weiteres Meisterwerk bevor.
Weezer: OK, es ging in den letzten Jahren doch rapide bergab mit der einst so liebenswerten Nerd-Rockband aus den USA. Als Tiefpunkt würde ich ganz klar das im letzten Jahr erschienene Album „Raditude“ nennen, auf dem Weezer scheinbar all das hinter sich ließen, was sie einst so toll gemacht hat. Doch es scheint Besserung in Sicht zu sein: Das achte Weezer-Album „Hurley“ erscheint am 14. September bei einem neuen Label, Epitaph. Richtig, beim Punkrock-Label von Bad-Religion-Mann Brett Gurewitz. Da darf man schon erwarten, dass sich Weezer auf der neuen Scheibe weg von der klebrigen Anbiederei an den Mainstream bewegen werden, die die letzten drei Tonträger stark beeinträchtigt hat. Frontmann Rivers Cuomo versprach vorab schonmal mehr „raw rock energy“, das klingt doch schonmal gut.

Das sind definitiv drei Alben, auf die ich mich freue. Alte Helden, die (hoffentlich) immer noch viel zu sagen haben. Wollen wir hoffen, dass die Erwartungen erfüllt werden.


It‘s quite in here! Why not leave a response?