Am morgigen Samstag jährt sich zum 40. Mal der Todestag des wohl berühmtesten Rockgitarristen aller Zeiten: Am 18. September 1970 starb Jimi Hendrix im Alter von 27 Jahren in London. Die amerikanische Gitarrenlegende definierte zu Lebzeiten die Regeln des Gitarrespiels neu. Hendrix zeigte, was für unglaubliche Töne man der verzerrten E-Gitarre entlocken kann. Er verwischte die Grenzen zwischen Rhythmus- und Leadgitarrist. Er spielte atemberaubende Soli. Er war der Erste, der das zuvor ungeliebte Gitarrenfeedback als Effekt einsetzte. Und nicht zuletzt war er der erste Showman des Rock.
Geboren am 27. November 1942 in Seattle, begann James Marshall Hendrix in seinen früheren Teenagerjahren ernsthaft mit dem Gitarrespiel. Er wurde zum Problemkind, das wegen schlechter Leistungen von der Schule flog und beim Armeedienst durch seine Unwilligkeit auffiel. 1965 zog er nach New York und begann seine Musikkarriere als Gitarrist bei den Isley Brothers. 1966 wurde er bei einem Auftritt im “Big Apple” von seinem künftigen Manager entdeckt, der ihm riet, seine eigene Band zu gründen. Im August diesen Jahres war die “Jimi Hendrix Experience” geboren, der außer dem namensgebenden Frontmann noch Bassist Noel Redding und Schlagzeuger Mitch Mitchell angehörten.
Im Dezember 1966 wurde die erste Single der neuen Band veröffentlicht: “Hey Joe”, ein Song, der schnell zum Klassiker werden sollte und Platz vier der englischen Charts erreichte. Das Debütalbum “Are You Experienced“, das im Frühjahr 1967 herauskam, zählt heute zu den absoluten Meilensteinen der Rockgeschichte. Auf dem Monterey Rock Festival 1967 wurde Hendrix endgültig vom hoffnungsvollen Musiker zur Ikone, als er am Ende des Songs “Wild Thing” seine Gitarre in Brand setzte. Es folgten weitere legendäre Studioalben wie “Axis: Bold as Love” und “Electric Ladyland”, auf denen Hendrix’ atemberaubende Perfektion an seinem Instrument immer deutlicher zur Geltung kam.
Doch der Höhepunkt sollte erst noch kommen: Woodstock, 1969. Auf dem zur Legende gewordenen Hippie-Festival, jenem Mekka der Rockgeschichte, trat Hendrix am 18. August auf. Da sich der geplante Ablauf wetterbedingt stark verzögert hatte, war es Montagmorgen, als der Star die Bühne betrat. Dort gab er auf seiner Gitarre eine durch Wah-Wah- und Fuzzbox-Effekte start verfremdete Interpretation der amerikanischen Nationalhymne wieder, die als rebellisches Statement interpretiert wurde und in die Geschichtsbücher einging. Der gesamte Woodstock-Auftritt von Hendrix und Band gilt als einschneidendes Ereignis in der Musikgeschichte.
Parallel zu seiner musikalischen Mystifizierung wurden die Probleme in Hendrix’ Privatleben allerdings immer gravierender. Er hatte Probleme mit der Justiz und sein Drogenkonsum war außer Kontrolle geraten. Im August und September ging der Gitarrist mit seiner Band noch auf Europatournee und spielte unter anderem am 6. September bei einem Festival auf der Ostseeinsel Fehmarn. Es sollte seine letzte Darbietung auf einer Bühne sein. Am Morgen des 18. September fand ihn seine deutsche Freundin Monika Dannemann tot im gemeinsamen Hotelzimmer in London.
Obwohl als offizielle Todesursache Tod durch Ersticken attestiert wurde – Hendrix hatte einen Alkohol- und Drogencocktail genommen und war an seinem Erbrochenen erstickt – setzte bald die Diskussion um einen möglichen Mord ein. Die Gerüchte verstummten nie und trugen im Laufe der Jahre zur weiteren Mythenbildung um die Person des Gitarristen bei. Doch am aussagekräftigsten ist nach all den Jahren immer noch Hendrix’ Musik, die auch über 40 Jahre nach ihrem Erscheinen immer noch frisch, virtuos und mitreissend klingt. Seine lässige Gesangsstimme, seine erstaunliche Eleganz an der Gitarre und die Grooves seiner Begleitband haben dem Zahn der Zeit locker getrotzt. Und da es sämtliche Hendrix-Klassikeralben heutzutage noch billig zu erwerben gibt, kann jeder selbst herausfinden, was wirklich hinter der Legende steckt. Ich kann schonmal einen ersten Tipp abgeben: Es ist viel.


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